Hans Limmer: Mein Esel Benjamin

„Wenn Du nur richtig zuhörst, kannst Du uns Tiere verstehen!“

Der Esel Benjamin

Über das Buch

Für mich ist das gemeinsame Lesen dieses Buches etwas ganz Besonderes, da sich hier die Erinnerung an meine eigene Kindheit mit der Begeisterung meiner Tochter für die Geschichte verbindet. Erzählt wird von einer Freundschaft zwischen eines kleinen Mädchens mit einem Esel.

Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit. Mit Ausnahme des Vaters, der von einem Künstler gemimt wurde, spielen die Protagonisten sich selbst. Der befreundete Fotograf Lennart Osbeck hat die Szenen fotografiert. Diese persönliche Ebene trägt zur Authentizität bei und begründet wohl seinen Erfolg.

Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und gilt als Kinderbuchklassiker. Inzwischen ist die zweiundvierzigste Auflage erschienen.

Inhalt

Erzählt wird von Susi, die mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester auf Rhodos wohnt. Eines Tages findet Susi mit ihrem Papa einen Esel. Sie retten ihn aus einer ausweglosen Situation und nehmen ihn mit nach Hause. Zwischen Susi und dem Esel entwickelt sich eine ganz besondere Freundschaft.

Gemeinsam unternehmen Susi und der  Esel Benjamin eine heimliche Tour über die Insel und verlaufen sich dabei. Als sie endlich wieder zurückkehren, werden sie mit offenen Armen aufgenommen. Der Esel wird nun als vollständiges Familienmitglied anerkannt und darf bleiben.

Visuelle Gestaltung:

Bebildert ist die Geschichte mit schwarz-weißen Fotografien. Diese portraitieren den Esel und das kleine Mädchen. Gleichzeitig begleiten sie die Erzählung mit narrativen Szenen, welche den Alltag der Familie einfangen. Dem poetischen Zauber, der von diesen Fotografien ausgeht, kann man sich nur schwer entziehen.

Kinder lieben die besondere Gattung „Kinderbuch mit Fotografie“. Schon kleine Kinder betrachten entsprechende Bildwörterbücher fasziniert und auch Kleinkinder lieben Bücher mit „echten“ Bildern. Sie vermitteln eine besondere Realitätsebene. Wie hier gekoppelt mit einer Identifikationsfigur und einer spannenden Geschichte sind sie besonders fesselnd.

Psychologische Ebene

Das Buch thematisiert eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Der unmittelbare Zugang und die gleichzeitige Wertschätzung, welche Kind und Tier sich instinktiv entgegenbringen wird greifbar.

Gleichzeitig zeigt das Buch, wie Kinder Urvertrauen zu ihren Eltern entwickeln. Susi und Benjamin machen sich früh morgens heimlich davon und verlaufen sich unterwegs, gemeinsam finden sie aber den Weg zurück.
Die Eltern schimpfen oder strafen nicht, sondern vermitteln dem Kind, dass sie darauf vertrauten, dass es wiederkommt. Sie zeigen, dass sie froh darüber sind und heißen es willkommen.

Empfehlung

Die Freundschaft zwischen Tier und Kind wird auf so eindringliche und entzückende Weise dargestellt, dass sich die Kinder sofort damit identifizieren. Aus den Bildern ist die Geschichte auch nachvollziehbar, so dass sich das Buch sowohl zum Vorlesen, als auch als Silent Book eignet.

Meine kleine Tochter war sofort berührt und begeistert. Sie wollte die Geschichte wieder und wieder hören. Natürlich wollte sie sofort, wie auch ich schon als Kind, einen Esel zum Haustier. Inzwischen schaut sie das Buch auch gerne alleine an. Sie erzählt sich dann die Geschichte und kommentiert die Bilder.

Anne-Friederike Heinrich: Mückebär und die Suche nach dem geraubten Winter

„Hilf mir, die Eiskristalle zu befreien und die Arktis zu retten!“

Aufforderung Mückebärs an seine kleinen und großen Leser

Über das Buch

Anne-Friederike Heinrich ist Kinderbuchautorin und lebt mit ihrer Familie in der Schweiz. Mit Mückebär ist ihr ein spannender Kinderroman gelungen. Aus Sicht der Tiere wird leichtfüßig, aber doch ernsthaft auf die Probleme des Klimawandels aufmerksam gemacht. So wird die Geschichte flankiert von Informationen zu Flora und Fauna und Fakten über die Klimakrise.

Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung über die Klimakrise, dabei wird die Thematik kindgerecht aufbereitet und durch Einfühlung in die Situation Mückebärs und seiner Freunde die Dringlichkeit dargelegt, zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.

Gleichzeitig vermittelt der Roman Hoffnung und zeigt, dass es nicht auf die Größe ankommt, wenn man Großes vollbringen möchte.

Inhalt

Mückebär ist ein Eisbär, gerade mal so groß wie ein Gummibärchen und lebt mit seinen Freunden am Nordpol. Durch das Abtauen des Eises verschwindet die Lebensgrundlage der Tiere, sie hungern und sind verzweifelt. Da berichtet der Polarfuchs von der sagenumwobenen Eiskönigin. Sie hat die Eiskristalle gefangen und in ihren Palast gesperrt.
Mückebär und die mürrischse Möwe Edla brechen auf, um die Eiskristalle zu befreien und den Tieren den Winter zurück zu bringen. Sie begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, auf der sie den Folgen des Klimawandels begegnen und sich in große Gefahren begeben.

Visuelle Gestaltung

Das Buch ist schlicht gestaltet. In Relation zur Textmenge sind nur wenige Motive umgesetzt. Darunter die ikonische Abbildung der Eiskönigin, die ornamentalen Eiskristalle sowie einige Male auch Mückebär und seine Freunde. Bei den Abbildungen handelt es sich um monochrome Aquarelle in verschiedenen Grauabstufungen.

Neben der bildhaft erzählten Geschichte hätten die Fakten zu Flora und Fauna sowie die Informationen zum Klimawandel viel Material zur Visualisierung geboten. Zu Gunsten einer konzentrierten Zuspitzung auf den Inhalt tritt der gestalterische Aspekt in den Hintergrund.

Psychologische Ebene

Die besondere Stärke des Buches ist, dass es zur Identifikation mit Mückebär und den Tieren aufruft, die im Begriff sind ihre Heimat zu verlieren. Durch diese empathische Hinführung zum Thema werden Empörung über die Situation sowie Verantwortungsbewusstsein entwickelt.

Diese Einfühlung stößt Kinder dazu an, das eigene Verhalten zu hinterfragen und Handlungsoptionen abzuwägen.

Empfehlung

Das Buch ist jedem Kind im Grundschulalter zu empfehlen. Insbesondere, da neben der spannenden Geschichte über die aktuelle Klimakrise aufgeklärt wird. Dies geschieht kindgerecht und entlang der Erzählung.

Dabei wird nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf eine Verhaltensänderung gepocht. Durch Einfühlung in die Charaktere und Aufklärung über die Fakten wird ein Reflektionsvorgang und eine entsprechende Verhaltensänderung angestoßen.

Ich empfehle, das Buch gemeinsam mit den Kindern zu lesen und über die entsprechenden Abschnitte zu diskutieren. Durch die Tipps am Schluss und die Hinweise neben dem Text ergeben sich sehr gut Anknüpfungspunkte. So kann man als Eltern die Thematik in den normalen Familienalltag integrieren.

Mies van Hout: Heute bin ich

Mies van Hout: Heute bin ich

„Sage mir, wie es Dir geht und Du lernst Dich selbst besser kennen!“

Botschaft der Fische an Dich

Über das Buch

2010 erschien das Buch „Heute bin ich“ von Mies van Hout. Das Buch erhielt 2013 eine Nominierung für den deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch. Als Lesealter wird 3 bis 6 Jahre angegeben. Tatsächlich wird das Buch jedoch heute auch im Unterricht an Schulen und im Studium der Psychologie sowie in der Psychologischen Beratung eingesetzt. Es unterstützt das Erkennen, Benennen und Einfühlen in verschiedene emotionale Zustände.

Inhalt

Vor schwarzem Hintergrund ist jeweils ein Fisch abgebildet. Auf der gegenüber liegenden Seite vor farbigem Hintergrund liest man jeweils ein Wort. Dieses beschreibt den abgebildeten emotionalen Zustand. Insgesamt sind es 20 Gefühlszustände, die auf diese Weise Darstellung finden.

Visuelle Gestaltung

Die Fische sind jeweils vor schwarzem Hintergrund platziert. Die Ausführung in Wachsfarben und Pastellkreide verleiht den Figuren eine besondere Strahlkraft. Die gewählten Farbkombinationen entsprechen einem bestimmten Gefühlszustand. Gleichzeitig ist es die Strichführung, welche den emotionalen Zustand übermittelt. Sie ist dünn und zitterig oder dick und damit bestimmt. Unterstrichen wird die Wirkung durch die „Schwimmrichtung“ der Fische und den entsprechenden Gesichtsausdruck.

Psychologische Ebene

So einfach wie genial ist die Idee. Es werden durch Farbe, Strichführung und das immer gleiche Motiv: den Fisch, Gefühlszustände greifbar. Die emotionale Lage ist intuitiv zugänglich. Durch die Beschreibung dessen, was man sieht wird eine Einfühlung in einen Gefühlszustand möglich. Das Buch eignet sich, um Kinder zu ermutigen und ihnen beizubringen, über Gefühle zu  sprechen, Gefühlszustände zu erkennen und zu benennen.

Empfehlung

Das Buch ist nun, knapp zehn Jahre nach Erscheinen, bereits zum Klassiker avanciert. Es wird in Kindergärten eingesetzt, um den Kindern zu zeigen, wie man Gefühle erkennt, artikuliert und verarbeitet. Auch hat es inzwischen  Einzug gehalten in den Schulunterricht und in die therapeutische Arbeit bzw. psychologische Beratung. Entsprechend ist  die Altersempfehlung von 3-6 Jahren auszuweiten, da das Buch für Betrachter jeder Altersstufe wertvolle Lektüre bietet.
Interessant ist es außerdem für Grafik-Designer und Gestalter, da hier die Wirkungsweise von Farbe, Strichführung, Bewegungsrichtungen und anderer grafischer Elemente bildhaft vor Augen geführt wird.

Kristin Franke: Das Osterschwein

„Du kannst sein was Du willst, egal was die Anderen sagen und ob sie lachen. Probier Dich einfach aus!“

Das Osterschwein

Über das Buch

Kristin Franke ist Mutter, erfolgreiche Geschäftsfrau und Inhaberin des tinyfoxes Verlags. Ihre Leidenschaften sind das Gestalten und das Schreiben, beides vereinigt sie in ihren Kinderbüchern. Diese sind einfühlsam und bestechen durch Fantasie und Humor.

Inhalt

Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Schweinchens, das sich so sehr wünscht einmal Osterhase sein zu können. Als der echte Osterhase krank ist, wittert es seine Chance. Doch die Hennen müssen erst noch überzeugt werden. Zum Glück ersinnt das Schweinchen eine List …

Erzählt in leichfüßigem Tonfall und Reimform ist diese heitere Geschichte eine Freude für Kleinkinder ab 3 Jahre.  „Quatsch mit ganz viel Tomatensoße“, wie meine Tochter sagt und das ist eine große Auszeichnung.

Visuelle Gestaltung

Das Buch besticht durch wundervoll sanfte Farben, die wie Farbwolken vor dem Betrachter schweben und eine unbeschwerte Atmosphäre verbreiten. Dabei unterstützt die Aquarelltechnik mit den verschwimmenden Konturen die Leichtfüßigkeit der Geschichte. Die Figuren sind vereinfacht, aber in naturalistischer Manier dargestellt und ermöglichen dadurch für Kinder das Erkennen und Einfinden in die Geschichte. Bestechend ist die lyrische Qualität und Luftigkeit der Darstellung.

Psychologische Ebene

Kinder lieben es, sich zu verkleiden. Es ist spannend, in andere Rollen zu schlüpfen und andere Identitäten auszuprobieren. Für die Entwicklung von Kindern ist dieses „sich ausprobieren“ ungemein wichtig. Es ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung.

Entsprechend fasziniert sind sie von der Geschichte und fiebern mit dem Schweinchen, das doch auch so gerne einmal Osterhase sein möchte. Sie fühlen mit und identifizieren sich. Und das Buch zeigt Ihnen, auch wenn die Anderen lachen und auch wenn man nicht mit den physischen Attributen geboren ist, die einer Rolle zugesprochen werden: wenn man mutig ist und schlau, kann man sein was man will.

Empfehlung

Das Buch ist für Kleinkinder ab ca. 3 Jahren zu empfehlen. Jüngere Kinder könnten auch irritiert sein, dass die Ordnung hier auf den Kopf gestellt wird und die Regeln wie etwas zu sein hat außer Kraft gesetzt werden. Oft macht es jüngeren Kindern Angst, wenn sich Figuren oder Personen verkleiden.

Ältere Kinder hingegen werden das Buch lieben, ein ganz großer Quatsch, der sehr viel Spass macht und inspiriert in andere Rollen zu schlüpfen, leichtfüßig erzählt und mit wundervollen einfühlsamen Bildern.

Sibylle v. Olfers: Etwas von den Wurzelkindern

„Wacht auf, wacht auf, ihr Kinderlein, es wird nun wohl bald Frühling sein!“

Mutter Erde

Über das Buch

Sibylle von Olfers war Kunsterzieherin und Ordensschwester. Sie lebte zur Jahrhundertwende vom 19. Zum 20. Jahrhundert im Landkreis Königsberg. 1906 mit  nur 25 Jahren erschuf sie ihr bekanntestes Buch: „Etwas von den Wurzelkindern“.

Sie hat darüber hinaus noch andere Bücher gestaltet, allerdings sind die Wurzelkinder ihr Meisterwerk und das vollendetste Buch aus ihrem Oeuvre.

Inhalt

Erzählt wird vom Kreislauf der Jahreszeiten. Dabei werden die Prozesse der Natur personifiziert. Mutter Natur schickt ihre Kinder: Blumen, Gräser, Käfer und Insekten im Frühling in die Welt hinaus. Dort erkunden sie ihre Umgebung und spielen in Wald und Wasser.
Als es Herbst wird und die kalten Winde wehen, kehren sie zur Mutter Erde zurück, um in ihrem Schoß zu schlafen bis zum nächsten Frühjahr.
Erzählt wird die Geschichte in Versform und jede Strophe wird dabei von einer Abbildung flankiert.

Visuelle Gestaltung

Geprägt vom Jugendstil und inspiriert von englischen Bilderbüchern ist jede Seite liebevoll und detailreich gestaltet. Eingepasst sind die Bilder jeweils in einen Rahmen aus Rankenwerk. Oder die Erde ist wie eine Rahmung angebracht, wobei die Durchwurzelung zu fantasievollen Ornamenten wird.

Lebendige Details wie Insekten, Blumen, Ähren oder Blätter sind der jeweiligen Jahreszeit bzw. dem zentralen Bild angepasst.
Die Abbildungen selbst sind häufug spiegelbildlich angeordnet und durch die Betonung des Linearen stark ästhetisiert. Die Formensprache des Jugendstils passt zur lyrischen Auffassung von Naturprozessen und bietet allein durch die Betrachtung höchsten Genuss fürs Auge.

Psychologische Ebene

Schon früh wurde das Buch psychologisch gedeutet. Die Kinder die aus dem Schoß der Mutter Erde kommen und dort Sicherheit und Aufnahme in stürmischer Zeit finden, wurde symbolisch als Entwicklung des Urvertrauens gesehen.
Eine solche Deutung mag ihre Berechtigung haben und sicherlich empfinden Kinder bei der Betrachtung der Bilder die Nähe und Schönheit der Natur und entsprechend auch Geborgenheit.

Darüber hinaus besitzt das Buch jedoch archetypische Motive und die Personifizierung der Mutter Erde als alte Frau und die zyklische Darstellung der Jahreszeiten entsprechen Vorstellungen eines kollektiven Unterbewusstseins. Sie werden so intuitiv aufgenommen und verstanden.

Empfehlung

Tatsächlich hat das Buch in der Zwischenzeit seinen Platz in elterlichen Regalen gefunden zwischen Kunstbüchern und Bildbänden. Dieser Platz ist aufgrund der visuellen Umsetzung und der Verschmelzung von romantisierter Naturbetrachtung mit dem Jugendstil durchaus berechtigt. Allerdings nicht nur.
Kinder lieben es in den detailreichen Bildern Motive zu entdecken und verlieren sich in der Betrachtung der Blumenmädchen und –Jungen. Auch die in Versen erzählte Geschichte vom Lauf der Jahreszeiten entspricht dem Verständnis von Kindern und vermittelt wie oben besprochen Geborgenheit und Sicherheit. Nicht umsonst ist dieses Buch seit über hundert Jahren ein Klassiker der Kinderbuchliteratur.

Die Fan Brüder: Wo die See auf den Himmel trifft – Kinderbuchtipp

Die Fan Brüder: Wo die See auf den Himmel trifft

In Gedanken sind wir den Menschen nahe, die wir lieben, auch wenn sie nicht mehr bei uns sind.

Finns Botschaft

Über das Buch

Eric und Terry Fan sind zwei Brüder, die in Kanada am Ontario Collage of Art and Design studiert haben. 2018 erschien das Buch unter dem Titel Ocean meets Sky. Weitere Titel der beiden Brüder sind: Der Nachtgärtner sowie Projekt Barnabus.
Alle Bücher beschäftigen sich mit der Endlichkeit und Schönheit der Dinge und bestechen durch inhaltliche Tiefsinnigkeit und Phantastik der Illustrationen.

Inhalt von „Wo die See auf den Himmel trifft“

Ein Junge vermisst seinen verstorbenen Großvater, darum baut er ein Schiff und reist dorthin, wo die See auf den Himmel trifft. Von diesem Ort hatte der Großvater in seinen Geschichten erzählt. Er passiert auf seiner Reise phantastische Orte wie die Bücherinseln oder das Meer der tanzenden Ohrenquallen. Am Ende seiner Reise hat er schließlich die Möglichkeit, noch einmal Lebewohl zu sagen, bevor er nach Hause zurückkehrt.

Die Fan Brüder: Wo die See auf den Himmel trifft
Die Fan Brüder: Wo die See auf den Himmel trifft

Visuelle Gestaltung von „Wo die See auf den Himmel trifft“

Die Illustrationen sind eine gelungene Mischung aus Bleistift und Tuschezeichnungen und digitaler Verfahren. Die Vorliebe für mechanische Uhrwerke und alte Technik verbindet sich mit dem Faible für Magie und fantastische Reisen. So entstehen Bilder, die sehr detailreich sind und voller phantastischer Details. Es verbinden sich Steampunk Motive wie Eisenbahnen, Uhrwerke, Heißluftballons mit Ansichten alter Bücher oder Bilder seltsamer Fische und Vögel, wie sie einem antiken Naturkundebuch entsprungen sein könnten. Damit laden die Bilder zum Entdecken und Träumen ein.

Psychologische Ebene von „Wo die See auf den Himmel trifft“

Die Geschichte ist tiefsinnig und leichtfüßig zugleich. Thematisiert wird die Trauer eines Kindes: ein kleiner Junge, vermisst seinen verstorbenen Großvater. Durch eine Traum- oder Gedankenreise nähert sich der Protagonist einem magischen Ort, von dem der Großvater in seinen Geschichten erzählte. Damit zeigt das Buch auf, wie wir in Gedanken lieben Menschen verbunden bleiben und wie wir gleichzeitig durch unsere Fantasie Trauerarbeit leisten können. In Gedanken lebt der Andere in uns fort.

Empfehlung

Das Buch richtet sich nicht nur an Kinder, die einen Trauerfall zu bearbeiten haben. Es kann hier generell thematisiert werden, wie es ist, einen Verlust zu verarbeiten oder wie man sich jemand in Gedanken nähern kann, dem man vermisst. Dies ist eine gedankliche Leistung, die Grundschulkinder bereits verstehen und zu verarbeiten in der Lage sind. So kann das Buch eine Basis für eigene Traumreisen bilden.
Doch nicht nur Grundschulkindern, sondern auch älteren Kindern und Erwachsenen lege ich dieses Buch ans Herz. Die Schönheit und Poesie der Bilder und die tiefgehende Geschichte von der Überwindung eines Verlustes ist ein Thema, das kein Alter kennt und uns alle berührt.

Tilde Michels, Reinhard Michl: Es klopft bei Wanja in der Nacht – Kinderbuchklassiker

Tilde Michels, Reinhard Michl: Es klopft bei Wanja in der Nacht

Gemeinsam ist es möglich Notsituationen zu meistern, wenn man zusammensteht und Vorurteile überwindet.

Wanjas Botschaft

Über das Buch

„Es klopft bei Wanja in der Nacht“ wurde 1985 veröffentlicht und aufgrund seiner Botschaft 1986 mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet. Die Geschichte stammt aus der Feder der bekannten Kinderbuchautorin Tilde Michels. Ihre Stoffe adaptierte unter anderem auch die Augsburger Puppenkiste. Die Illustrationen schuf Reinhard Michl, der bekannt ist für die Illustration einer Jim Knopf Neuausgabe und der für den Jugendliteraturpreis nominiert wurde.

Inhalt von „Es klopft bei Wanja in der Nacht“

Mitten im tief verschneiten Wald steht ein kleines Haus. Draußen tobt ein Schneesturm und im Laufe der Nacht klopfen Hase, Fuchs und Bär und bitten um Obdach. Der Jäger gewährt Schutz und Obdach für die Nacht und am nächsten Morgen schleicht sich ein Gast nach dem anderen wieder davon. Obgleich sie Feinde sind haben die verschiedenen Figuren die Nacht in friedlicher Gemeinschaft verbracht und den Schneesturm überlebt.

Visuelle Gestaltung von „Es klopft bei Wanja in der Nacht“

Liebevolle Illustrationen im realistischen Stile verleihen dem Buch eine dichte Atmosphäre. Das kleine Haus im verschneiten Wald, die Tiere vor dem warmen Ofen oder der Landschaftsausblick am Ende der Geschichte erinnern an alte Märchenbücher.
Die Schraffuren sind gut sichtbar gesetzt und lassen die Bilder lebendig erscheinen. Die Farbigkeit ist in gedeckten Farben gehalten, wobei einzelne Motive Kontraste setzen wie das rote Fell de Fuchses vor dem Schnee oder das gelbe Kissen, mit welchem es sich der Hase im alten Lehnstuhl gemütlich macht.

Tilde Michels, Reinhard Michl: Es klopft bei Wanja in der Nacht

Psychologische Ebene von „Es klopft bei Wanja in der Nacht“

Das Buch erzählt die Geschichte auf spielerische Weise und in Reimform. Wiederkehrende Verse geben der Geschichte Leichtigkeit und Fluss. Trotzdem werden die Befürchtungen und Ängste jeder Figur ausgesprochen und dabei die unterschiedlichen Blickwinkel eingenommen. Fazit der Geschichte ist, in Gefahrensituationen zusammen zu stehen und die eigenen Vorurteile und Feindseligkeiten hinten an zu stellen. So herrscht zumindest für die Nacht während des Schneesturms Einigkeit zwischen dem Jäger und den Tieren.

Empfehlung

Das Buch eignet sich schon für kleine Kinder zum Beispiel als Gute-Nacht Buch. Kinder lieben Reime und können schon nach kurzer Zeit mitsprechen. Der wiederkehrende Vers: Auch Wanja deckt sich wieder zu: „Gut Nacht und angenehme Ruh!“ wird bei uns in der Familie auch heute noch mit abgewandeltem Namen vor dem Schlafen gehen zitiert.
Für ältere Kinder lohnt es sich über den Inhalt der Geschichte nach zu sinnen. Darüber, dass es sich lohnt Ängste und Feindseligkeiten zu überwinden, bei Gefahr zusammen zu stehen und auch was Vorurteile mit einem machen.

Pamela Zagarenski: Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben – Kinderbuchtipp

Pamela Zagarenski: Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben | © Katrin S. Knopp | www.katrin-knopp.de

„Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“ von Pamela Zagarenski ist ein erst kürzlich erschienenes, sehr empfehlenswertes Kinderbuch, das ich hier als erstes vorstellen möchte.

Eine Liebeserklärung an die Fantasie

Botschaft des Fuchses

Über das Buch

Pamela Zagarenski arbeitet als Illustratorin und Künstlerin in Connecticut, USA. Sie ist Gewinnerin der »Caldecott Honor Medal«. Ihr Kinderbuch „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“ erschien im Jahre 2016.

Inhalt von „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“

Ein kleines Mädchen leiht von seiner Lehrerin ein faszinierendes Buch aus. Auf dem Weg nach Hause verliert es alle Buchstaben. Zuerst ist es ganz traurig, aber dann wird das Mädchen von den geheimnisvollen Bildern in eine Welt der Fantasie und der Geschichten entführt. Am nächsten Tag trifft sie auf dem Weg in die Schule den schlauen Fuchs. Er kann dem Mädchen helfen die verlorenen Buchstaben wieder zu finden …

Visuelle Gestaltung von „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“

Allein die visuelle Gestaltung ist wunderschön. Die Bilder erstrecken sich jeweils über beide Seiten und sind voller Detail und Farbenreichtum. Zarte Farben und Strukturen kontrastieren mit leuchtendem Rot, Grün, Gelb und Blau. Ornamente und Kollageartig eingefügte Figuren bereichern die fantastische Bildwelt, die sich aus Fabeltieren, Stadtansichten und fantastischen Welten auffächert. Auf jedem Bild gibt es Details zu entdecken, die eine eigene Geschichte zu  erzählen scheinen.

Pamela Zagarenski: Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben | © Katrin S. Knopp | www.katrin-knopp.de
Pamela Zagarenski: Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben

Psychologische Ebene in „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“

Der Text im Buch erzählt eine Rahmenhandlung, der Mittelteil selbst mit den Bildern aus dem fantastischen Buch der Lehrerin ist jeweils nur mit ein paar Sätzen unterschrieben. Diese bestehen jeweils aus dem Anfang einer Erzählung und beinhalten Fragen, so dass der Betrachter animiert wird, sich selbst eine Geschichte oder auch viele auszudenken.
Das Buch regt somit die Fantasie an und ermutigt zum eigenen Denken. Die Zusammenstellung aus realen Ansichten mit Fabelwesen oder unmöglichen Motiven lassen die Bilder im Buch wie Szenen aus einem Traum erscheinen. Dadurch, dass die Rahmenhandlung die Geschichte eines Schulmädchens erzählt identifizieren sich die Leser mit diesem und werden angeregt, eigene Geschichten zu entwickeln bzw. ihre Träume zu reflektieren.

Empfehlung

Das Buch eignet sich nicht nur für Grundschulkinder, sondern auch für jüngere und ältere. Kinder im Kindergartenalter finden Freude daran die Details der Bilder zu betrachten und zu benennen. Empfohlen wird es ab 3 Jahren. Ähnlich wie in einem Wimmelbuch gibt es viele einzelne Motive zu entdecken. Jugendliche und Erwachsene finden sich ebenfalls von der visuellen Gestaltung angesprochen und haben die Möglichkeit tatsächlich erzählerisch eigene Geschichten zu entwickeln. Somit ist das vorliegende Buch ein Schatz an Bildern und eine Ideenwerkstatt für die ganze Familie. Es fördert die Fantasie und Erzählfreude, man muss sich nur darauf einlassen.